2.000 Teilnehmer, mehr als 130 Veranstaltungen und 100 Einzelbeiträge: Beim Deutschen StiftungsTag in Nürnberg war wieder eine Menge los. Tania Rubenis, Stiftungsmanagerin der STIFTUNG Sparda-Bank Hannover, war bereits zum elften Mal dabei. Ein Blick hinter die Veranstaltung.

Das Motto des Kongresses lautete: „Update! Stiftungen und Digitalisierung“. „Stiftungen sind auf dem Sprung in die nächste Generation. Was noch fehlt: ein Stiftungsrecht, das ihnen erlaubt, ihre Arbeit flexibel an den digitalen Wandel, einen volatilen (Anmerkung der Redaktion: schwankenden) Kapitalmarkt und komplexe globale Problemlagen anzupassen,“ sagte Prof. Dr. Michael Göring, Vorstandsvorsitzender des Veranstalters Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Der Kongress: Viele Denkanstöße zum Thema Digitalisierung

Vom 16. bis zum 18. Mai kamen rekordverdächtige 2.000 Teilnehmer zu Europas größtem Stiftungskongress. In den Räumen der Messe Nürnberg widmeten sich mehr als 130 Veranstaltungen dem digitalen Wandel. In mehr als 100 Einzelbeiträgen diskutierten die Teilnehmer über Herausforderungen der Digitalisierung, aber auch über die schwierige Ertragslage bei Stiftungen. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen fordert dazu Erleichterungen bei Haftungen in der Vermögensanlage. Denn dann können Stiftungen mehr Anlageformen nutzen und unkomplizierter die Satzung ändern. Zudem ließen sich damit Zulegungen und das Zusammenlegungen einzelner Stiftungen untereinander vereinfachen.

Die Preisträgerin: „Wir müssen uns selbst weniger wichtig nehmen“

Regenbogen-Philanthropin Ise Bosch erhielt den Deutschen Stifterinnenpreis.

Regenbogen-Philanthropin Ise Bosch erhielt den Deutschen Stifterinnenpreis.

Als Höhepunkt der Festveranstaltung am Mittwoch erhielt Regenbogen-Philanthropin Ise Bosch den Deutschen Stifterinnenpreis. Die Laudatio hielt Schauspielerin Gudrun Landgrebe. Die Preisträgerin nutzt für ihre Anliegen neben der klassischen Stiftung weitere Formen der Philanthropie, also menschenfreundlichen Verhaltens. Sie versteht sich als Spendenaktivistin, weniger als Mäzenin. Vielfalt und Toleranz für Menschen mit verschiedener sexueller und geschlechtlicher Orientierung bilden den Kern ihres Engagements. Ise Bosch: „Meine Förderungen sollen nachhaltigen sozialen Wandel anstoßen. Sozialer Wandel bewirkt sowohl eine qualitative Verbesserung für die Arbeit vor Ort als auch für die Gebenden. Wir müssen als Gebende lernbereit sein und uns selbst weniger wichtig nehmen.“

Ein persönliches Fazit: „Für die Zukunft liegt eine große Aufgabe vor uns“

Tania Rubenis, Stiftungsmanagerin der STIFTUNG Sparda-Bank Hannover, war zum elften Mal auf dem Kongress dabei. Sie hat viele Fakten aufgenommen und neue Erkenntnisse gewonnen, die Einfluss auf ihre tägliche Arbeit haben werden. „Unsere Stiftungsarbeit und viele Förderanfragen und Projekte sind in vielfältiger Weise mit dem digitalen Wandel verbunden. Diesen aktiv mitzugestalten, ist eine gewaltige Aufgabe für die Zukunft“, so Rubenis. Es gilt, Menschen zu sensibilisieren, ihnen Raum für Dialog und persönlichen Austausch zu geben und Lösungsansätze operativ zu entwickeln oder finanziell zu fördern.

Rubenis nimmt vor allem eine Erkenntnis mit, die Ralph Müller-Eiselt, Senior Expert der Bertelsmann Stiftung, sehr treffend formuliert hat: „Wir brauchen eine Kultur und Haltung, die Digitalisierung nicht als ein rein technisches, sondern als soziales Thema versteht. Es geht um mehr als digitale Tools, es geht um eine strategische Kernaufgabe des Dritten Sektors!“ Der Dritte Sektor ist der gemeinnützige, nicht gewinnorientierte Teil unserer wirtschaftlichen Gesellschaft.

Blick in die Zukunft: Stiftungen gestalten digitalen Wandel

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen stellt sich auf für die nächste Generation des Stiftens und der Stiftenden. Philanthropin Ise Bosch zählt schon dazu. Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen: „Die nächste Generation stiftet anders. Stiftungen müssen als Orte für junge Unternehmerinnen oder Erben noch attraktiver werden. Wir stehen vor einer Stiftungslücke: Im Verhältnis des gesamten Stiftungsvermögens zum Bruttoinlandsprodukt liegen wir weltweit nur im Mittelfeld.“ Mit der Initiative „Next Philanthropy“ sollen die unterschiedlichen und neuen Formen des Stiftens attraktiv gemacht, neue Chancen durch den digitalen Wandel für die Stiftungsarbeit ausgelotet und neue Zielgruppen erschlossen werden. „Eine enge Zusammenarbeit mit Kunden und mehr Partner-Kooperationen sind das A und O, um das Digitalisieren nützlich zu gestalten“, so Rubenis.

Gut zu wissen: 2019 wird Mannheim vom 5. bis 7. Juni den Deutschen StiftungsTag ausrichten – zum Thema „Demokratisierung“.

Bilder: David Ausserhofer, Tania Rubenis