Seit fast 20 Jahren waren Kontoführungsgebühren quasi abgeschafft, jetzt werden sie bei vielen Banken wieder eingeführt. Wir, die Sparda-Bank Hannover, planen aktuell keine Einführung von Kontoführungsgebühren, nehmen dies jedoch zum Anlass, die Hintergründe zu erklären.

Die Finanzkrise hinterlässt Spuren

Europäische Banken sind seit der Finanzkrise 2009 in wirtschaftlicher Bedrängnis. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank befindet sich seitdem auf einem historischen Tief (s. Abb. unten). Seit März 2016 beträgt er sogar Null Prozent. Wir berichteten darüber bereits im Hinblick auf die Neuausrichtung der klassischen Vermögensanlagen. Unter den Banken werden größtenteils Negativzinsen berechnet.

Statistik Diagramm der Entwicklung des EZB-Leitzinses

Der EZB-Leitzins befindet sich seit 2009 auf einem historischen Tief. Bild: Cybay New Media

Der Betrieb eines Girokontos kostet eine Bank durchschnittlich etwa 120 € jährlich.

Diese Summe konnten die Finanzinstitute bisher ausgleichen, indem sie das bei ihnen angelegte Geld gegen Zinsen verliehen. Durch die Niedrigzinsphase sind hier deutlich geringere Erträge möglich. Viele Geldinstitute sind gezwungen, die Kontoführungsgebühren wieder einzuführen – was bei der Kundschaft nicht unbedingt auf Verständnis stößt. Die Kunden haben sich inzwischen an den Luxus eines kostenfreien Kontos gewöhnt. Dabei war es bis vor 20 Jahren noch völlig normal, für das Girokonto zu zahlen.

Finanzkrise nicht der einzige Grund

Zusätzlich verändert sich aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung die Art, wie Kunden mit ihrer Bank interagieren. So tätigt beispielsweise jeder Dritte schon Bankgeschäfte über sein Smartphone. Online-Banking ist längst gängige Praxis. Neue Technologien werden schon als Ende der Finanzinstitute interpretiert. Diese veränderten Umstände machen eine Neuausrichtung bisheriger Geschäftsmodelle notwendig, denn hohe Kosten entstehen für die Bereitstellung der klassischen Dienstleistungen, welche aber weniger genutzt werden.

Experten gehen schon jetzt davon aus, dass das kostenlose Girokonto ein Modell der Vergangenheit ist und in den kommenden Jahren vom Markt verschwinden wird. Andere sagen es jetzt schon tot.

 

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